Terrorismus-Lügen – MfS – Stasi – KGB

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Regine Igel Terrorismus-Lügen. Wie die Stasi im Untergrund agierte Herbig 2012

In den über 700 Fußnoten zu den 60.000 gesichteten Stasi-Akten wird Ungeheuerliches dokumentiert: der ostdeutsche Geheimdienst arbeitete  mit den westdeutschen und internationalen Terroristen zusammen und leitete sie an. Nur ein Bruchteil davon war – mehr zufällig als gezielt erforscht – 1990 bekannt geworden.
Die großen Neuigkeiten meiner Forschung in den Stasi-Akten sind:

 

Die Stasi kooperierte auf das Engste mit zahlreichen
  • Rechtsterroristen, die für sie als Agenten, also operativ und nicht nur als beobachtende V-Leute oder Spitzel tätig waren
  •  Linksterroristen  der BRD. Viele Indizien weisen darauf, dass die sogenannten 10 Aussteiger während ihrer nach 1990 offengelegten Zeit in der DDR als Agenten für die Stasi in der BRD operativ tätig waren. Über diese 10 bekanntgewordenen „Aussteiger“ hinaus waren zahlreiche Terroristen, auch bis heute unbekannt gebliebene, in der DDR untergetaucht.
  •  führenden palästinensischen und anderen internationalen Terroristen, die als Agenten für den Ostberliner Geheimdienst tätig waren. Das gesamte internationale Terrornetz unterstand der Stasi. So waren z.B. auch die Führer der Japanischen Roten Armee (JRA) Stasi-Agenten.
Das Ziel:      Erweiterung der Kampffront gegen den Feind

 

Zur  Rezeption des Buches

Das Buch hat mit 45 Rezensionen ein breites und mehrheitlich positives Echo gehabt. Der Grandseigneur der Stasi-Forschung, Karl Wilhelm Fricke, lobte die Ergebnisse meines Buches „als einen ernsthaften Beitrag zur Stasi-Forschung“ und würdigte es  damit gegenüber  den zu erwartenden Diskreditierungen. Viele der großen oder als  links bezeichneten Medien haben das Buch  ignoriert. Der „Spiegel“(so Redakteur Sontheimer) lehnte kurz nach Erscheinen des Buches gegenüber dem Verlag eine Besprechung mit dem Argument ab, es sei ihm zu „untergründig“. Das Thema Stasi und Terrorismus ist in seinem  Umfang ein Tabu oder  deutlicher:  ein Staatsgeheimnis, das verdeckt bleiben soll. Darauf weist als ein Beispiel unter anderen der Umgang mit der  ehemaligen Terroristin und Ost-West-Doppelagentin Verena Becker: ihre Akte ist bis ins Jahr 2060 für die Öffentlichkeit gesperrt.

Dass der Inhalt  des Buches  zu diskreditieren versucht würde, war vorherzusehen. Aktiv in diesem Sinne wurden:
1) alte DDR-/SED-/-Stasi-Anhänger
2) die Stasi-Unterlagen-Behörde (BStU)
3) Wikipedia s. auf Homepage-Seite die Extra Rubrik

1) alte DDR-/SED-/-Stasi-Anhänger

Ganz offensichtlich  bemühten sich die beiden freien Historiker   Martin Jander (Berlin) und Thomas Riegler (Wien) um Diskreditierung. Beide wollen mich als „unseriöse Verschwörungstheoretikerin“ anprangern, zeigen aber keinerlei Kenntnis der für meine Aussagen entscheidenden MfS-Akten. Beide publizieren  seit Jahren zu den führenden palästinensischen Terroristen  oder zum Verhältnis der Stasi zum westdeutschen Linksterrorismus – und ziehen ihr zweifelhaftes Wissen lediglich aus Sekundärliteratur oder Zeitschriften. Beide  meiden  nachweislich Einsicht in die einschlägigen und aussagekräftigsten Akten der in der Behörde für die Stasiunterlagen (BStU)  zugänglichen Stasi-Akten der Terrorismus-Abteilung des MfS. Jander zitiert in seinem Beitrag „Zu den Verbindungen des MfS mit der RAF und dem bundesdeutschen Linksterrorismus“ nur  d i e    Stasi-Akten, die das Hamburger Institut für Sozialforschung ausgewählt hat und unter eigener Signatur bereitstellt. Von beiden Autoren wird nicht eine Akte zitiert, die direkt in der BStU eingesehen wurde. Gewissenhafte, der Aufklärung dienende  Forschung ist das nicht. So dringen beide nicht dazu vor, dass zahlreiche internationale Terroristen – mit Akten belegt –  Agenten der DDR-Staatssicherheit waren und der Osten entgegen seiner lautstarken gegenteiligen Propaganda den internationalen Terrorismus anleitete. Es drängt sich der Verdacht auf, dass beide an Aufklärung über die Verwicklung der Stasi/DDR in den internationalen Terrorismus nicht nur nicht interessiert sind, sondern – es ist anzunehmen aus alten Solidaritäten – offensichtlich verschleiern wollen.

 

2) die Stasi-Unterlagen-Behörde (BStU)

Die Stasi-Unterlagen-Behörde ist  von Anbeginn ihrer Tätigkeit  von der Sorge geprägt,  geheimdienstliche Interessen der BRD zu wahren und im Konkreten bemüht keine Stasi-Akten herauszugeben, die auf die Verbindung der ostdeutschen Geheimdienste zum internationalen Terrorismus oder gar auf Doppelagenten weisen. Von mir angeforderte Akten waren passsagenweise immer geschwärzt oder um Seiten gekürzt. Es gibt also viel zu verbergen, was nachweislich nichts mit dem zu wahrenden Persönlichkeitsrecht zu tun hat. Statt Aufklärung werden Legenden gebildet. Eine wichtige Legende ist, dass man  in den BRD-Behörden nicht wusste, wer die Fäden des Terrorismus in den Händen hielt.  Über die politischen Gründe des diplomatischen Schweigens  s. das letzte Kapitel im Buch.

Was die Verbindung des  Terrorismus mit den ostdeutschen Geheimdiensten betrifft spielt der BStU-Haushistoriker Tobias Wunschik   in seinen Veröffentlichungen den Einfluss der Staatssicherheit grundsätzlich herunter oder verschweigt entscheidende Einflussnahme. Mit anderen Worten: es wird manipuliert. Darauf weise ich zahlreich und belegt in den „Terrorismus-Lügen“ hin.

Auch soll über den Terrorismus hinaus der Einfluss der Stasi in der Bundesrepublik, z.B. über ihre Agenten/IMs im Staatsapparat weitestgehend verborgen gehalten werden. Auch dafür wird Einschlägiges  geschwärzt oder ganze Seiten oder gar vollständige Aktenbände zum Beispiel an nicht an die BStU gebundene Forscher aus den Medien nicht herausgegeben.

Von der BStU  wird seit Jahren ausgegeben, dass „große Funde in den Akten nicht mehr zu machen sind“. Nach Erscheinen der „Terrorismus-Lügen“ gab es jedoch wegen der darin enthaltenen großen Funde große Aufregung in der Behörde: Wie konnte die Igel an all ihre Informationen kommen? Gab es etwa Hilfestellungen von Historikern der Stasi-Unterlagen-Behörde, die sehr viel wissen, aber zum Schweigen nach außen verpflichtet sind?  Die Antwort ist einfach: a) alle Informationen der an mich herausgegebenen Stasi-Akten wurden sehr genau studiert, b) die zahlreichen angestellten Schwärzer, die lediglich Anweisungen ausführen und wenig Interesse an Aufklärung oder nicht Aufklärung haben, übersehen Dinge und übersehen vor allem weniger Offensichtliches und c):  ich hatte schon lange vor dem Blick in Stasi-Akten, mit der Kenntnisnahme italienischer Justiz- und parlamentarischer Untersuchungs-Akten zum Thema der politischen Nutzung des Terrorismus Klarheit   über die  Rolle des Terrorismus im Kalten Krieg bekommen,  in den 90er Jahren, über die  Verbindung des Westens, dann nach Sichtung der Ostarchive in den 2000er Jahren über die Verbindung des Ostens zum internationalen Terrorismus.

Bis heute  ist die Behörde von vielen Seiten schweren Vorwürfen der Manipulation, der Irreführung von Parlament und Öffentlichkeit, der verdeckten Beschäftigung hunderte von alten DDR-System-Kadern und anderem mehr, ausgesetzt. (s. z.B. DIE  ZEIT  Nr.26 vom 21.06.2007). Hinweisen auf Stasi-IMs im Bundestag ist die BStU z.B. nicht nachgegangen. Die schleppende Bearbeitung von Forschungsanträgen von Wissenschaftlern und Journalisten wurde wiederholt beklagt.  Historiker des akademischen Wissenschaftsbetriebes forschen selten in Stasi-Akten und gehen leider oft genug  noch der irrigen  Auffassung nach, dass die Forschung der Historiker innerhalb der Behörde für schonungslose Aufklärung tätig sind und die Schwärzungen noch von der Stasi selbst stammen. Zudem meidet man in der Zunft das Thema Geheimdienste.

Durch die Forscher in der BStU geht eine Spaltung.  Zu beobachten ist, einige Forscher steigen auf, andere bekommen wegen ihrer Forschungen rechtliche Probleme.  Ilko Sascha Kowalczuk propagiert  führend sehr parteilich und manipulativ für die BStU. Er fordert ein Ende  der Aufdeckungen von  Stasi-Aktivitäten in der BRD. Der in Zahlen zu fassende Einfluss der IMs wird kurzerhand heruntergestuft. Offiziell wird von einem überfälligen   „Paradigmenwechsel“ in der Stasi-Forschung gesprochen. Die beiden Historiker, die in den 90er und 2000er Jahren die Untergrund- und IM-Arbeit der Stasi im Westen unter klaren Zeichen  der Aufklärung führend aufgedeckt haben,  Hubertus Knabe und Helmut Müller-Enbergs, werden abgewertet und  in einem Atemzug mit meinen unerwünschten Aufdeckungen zum Terrorismus auch gleich noch mitdiskreditiert. (s. „Stasi Konkret“ v. S. Kowalczuk, 2013)  Das ist alles sehr merkwürdig und von einem Aufklärungswillen weit entfernt.

Was Zensur und Vorzensur betrifft wären die gigantische Internet-Enzyklopädie Wikipedia und die Stasi-Unterlagen-Behörde einmal  genauer noch unter die Lupe zu nehmen. Ihr Leid über dortige Manipulationen klagen eine Reihe  zum Osten investigativ tätiger Journalisten.

 

 

Aus den 45 Buchbesprechungen einige der positiven Stimmen:

Deutschlandfunk und FAZ, Karl Wilhelm Fricke:
Die Autorin „leistet (.) mit ihrer Publikation einen ernst zunehmenden Beitrag zur Geschichte des deutschen und internationalen Terrorismus und seiner Vernetzungen mit dem MfS und dem KGB.“ Ihr „auf intensive Stasi-Akten-Recherchen gestütztes Buch hat eine Fülle bislang kaum gekannter oder bekannter Fakten zutage gefördert.“ Hier lesen

Achse des Guten und Bayernkurier, Vera Lengsfeld
„Die Bruchstücke, die Igel einsehen konnte, offenbaren Hochbrisantes über die Mitwirkung von Staatssicherheit, KGB und westlichen Geheimdiensten in der Terrorszene Westeuropas.“ –
„Die Stasi-Bewegungsprotokolle verzeichnen (..)eine rege Reisetätigkeit der angeblichen Aussteiger, immer in Bezug zu terroristischen Anschlägen in Westeuropa.“ –
„Die Akten über die Rechtsextremisten sind ausgedünnt und geschwärzt, was zu der Frage verleitet, wer hier warum geschützt werden soll. Naheliegend ist der Verdacht, dass etliche dieser Terroristen für mehrere Geheimdienste tätig waren und dass dies nicht ans Licht der Öffentlichkeit soll.“ –
„Ihr Buch ist eine Fundgrube für historisch Inter¬es¬sierte, aber vor allem eine An¬regung, sich den bisher vernachlässigten Kapiteln unserer Ge¬schichte endlich zuzuwenden.“ – Hier lesen

SWR-Buchkritik v. 28.12.2012 und  Kontext Wochenzeitung,  Thomas Moser:
„Die Dokumente, auf die Regine Igel nun stieß, elektrisieren.“
„Auch die operativen Kassenbücher der Stasi liefern mögliche Anhaltspunkte für den Einsatz der ausgestiegenen RAF-Mitglieder. Sie erhielten regelmäßig finanzielle Zuwendungen. Silke Maier-Witt zum Beispiel bis Ende 1989 insgesamt über 45 000 Mark.“ hier lesen

3 SAT Kulturzeit, Clemens Riha:
„Sie kommt zu aufsehenerregenden Ergebnissen: Die Stasi steuerte die RAF. Doppelagenten tummelten sich geradezu unter den Terroristen. Und selbst Rechts-Terroristen wie die Wehrsportgruppe Hoffmann arbeiteten mit der DDR zusammen.“
„Eine weitere Unglaublichkeit gibt es: Die Akten der Funkaufklärung legen nahe, dass sie regelmäßig in den Westen gereist sind. “
„..die seltsamen Allianzen des Kalten Krieges.“ hier lesen
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